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Neues aus der Niederung von Hans-Dieter Lichtner 23.03.2020

Die Natur schert sich nicht um den Coronavirus, sondern erstrahlt in ihrer ganzen Frühlingspracht. Der milde Winter mit dem nassen, aber warmen Februar führte zu einem frühen Eintreffen der Störche, die inzwischen wohl alle Brutplätze um die Niederung wieder besetzt haben. Das Kranichpaar, das uns das letzte Jahr begleitet hat (die Niederung ist ihr Nahrungshabitat, nicht ihr Brutplatz), überwinterte sogar mit einem Jungvogel und war immer wieder auf den Wiesen nahe der Aue zu beobachten.

Inzwischen sind Lerchen und (leider nur sehr wenige) Kiebitze wieder in ihren Revieren, auch das Schwarzkehlchen ist bereits eingetroffen. Rohrammer sind momentan recht reichlich da, das sind sicher zum Teil durchziehende Individuen wie auch die zahlreichen Wacholderdrosseln, Wiesenpieper und Rotdrosseln.

Das Highlight jedoch sind die Amtmannschen Wiesen östlich des Heidornwegs und das Mittlere Bruch, der große Polder, der durch die Niederschläge gut mit Wasser gefüllt ist. Damit sind die Lebensbedingungen für die rastenden Enten hervorragend: Neben einigen Reiherenten sind viele Löffelenten, Krickenten, Knäkenten, Schnatterenten, Pfeifenten und schon einige Spießenten gut zu beobachten, alle im farbenprächtigen, frischen Brutkleid. Auch die ersten Watvögel sind da – es werden in den nächsten Wochen sicher noch deutlich mehr: Bekassinen, Rotschenkel, Waldwasserläufer, Kampfläufer und Austernfischer sind zu beobachten, ebenso zahlreiche Lach- und Sturmmöwen. Für die Spezialisten ist besonders die Steppenmöwe interessant: sie ist der Silbermöwe sehr ähnlich, hat aber eine abweichende Beinfarbe und einen rein weißen Kopf. Von der Silbermöwe und der Mittelmeermöwe unterscheidet sie sich am besten durch die Augenfarbe: Als einzige Möwe hat sie sehr dunkle, schwarz erscheinende Augen.

Natürlich ist das nur mit dem Fernglas zu erkennen, aber das sollte jeder Interessierte ohnehin nun auf seinem Spaziergang mitnehmen – Spaziergänge zu zweit sind ja auch in diesen Zeiten immer noch möglich. Wenn Sie sich aber am Beobachtungsstand aufhalten, denken Sie an einen Mindestabstand von 1 1/2 Metern voneinander – und verhalten Sie sich bitte ruhig, langsam und leise: Sie sind ganz nah dran an zahlreichen störungsempfindlichen Arten und es ist schade, wenn ein unvorsichtiger Besucher im gesamten Mittleren Bruch Panik auslöst und alle folgenden Beobachter nichts mehr zu sehen haben. Außerdem brauchen die Rastvögel Ruhe, um Energie für ihre lange Reise in den Norden oder Osten zu sammeln.

Hans-Dieter Lichtner

 

 

 

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