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Neues aus der Niederung von Hans-Dieter Lichtner 27.01.2021

Es wird Zeit für eine Bilanz des Jahres 2020. Coronabedingt konnten ja keine Exkursionen stattfinden. Das ist schade, da insbesondere im März ein recht eindrucksvoller Entenzug mit immerhin 7 verschiedenen Entenarten im überfluteten Mittleren Bruch zu beobachten waren. Leider entwickelte sich das weitere Jahr nicht so erfreulich. Hauptursache ist das äußerst trockene und zudem windige Frühjahr, das zu einem frühen Abtrocknen der Überflutungsflächen führte.

Als Folge davon war der Durchzug von Watvögeln nur sehr mäßig; vor allem aber litten die feuchtlandgebundenen Brutvögel darunter. So gab es dieses Jahr keine Bruten des Tüpfelsumpfhuhns, der Knäkente oder der Bekassine, den
früheren Highlights der Niederung. Immerhin konnten einige Kiebitzpaare ihre Jungen erfolgreich hochziehen. Auch der Wachtelkönig war in wohl drei Paaren vertreten, leider aber nicht auf geschützten Flächen, sondern im Nordwesten auf den sogenannten Ochsenwiesen. Es ist deshalb zu befürchten, dass durch die Mahd die Bruten zerstört wurden.

Der trockene Spätfrühling und Sommer hatten allerdings auch ihr Gutes: Offenbar haben sich die Insektenpopulationen reichlich entwickelt; dafür sprechen die hohen Brutzahlen an Insektenfressern: alle Grasmückenarten, aber auch die Nachtigall und der Sumpfrohrsänger waren deutlich stärker vertreten als im Vorjahr.

Auch der Rotmilan schritt wieder zur Brut, und interessanterweise waren es dieses Mal zwei Brutpaare des Schwarzmilans, die – mit einem guten halben Kilometer Abstand voneinander – erfolgreich brüteten. Bislang war
bestenfalls ein Brutpaar dieser Milanart bei uns vertreten.

Störche gab es wieder reichlich; die noch erfreulich hohe Froschpopulation und der starke Mäusebestand boten sicher eine gute Nahrungsgrundlage. Da durch die Trockenheit aber zahlreiche Blänken trockenfielen, bleibt offen, wie sich die Froschpopulation in diesem Jahr entwickeln wird. Da in der Jungenaufzucht die Frösche als Nahrungsquelle eine wichtige Rolle spielen, könnte es in diesem Jahr problematisch für unsere Störche werden.

Apropos Frösche: In der zweiten April- und der ersten Maihälfte lohnte sich wieder ein Spaziergang in der starken Dämmerung: Überall waren die seltenen Laubfrösche zu hören, die ihre Kollegen der anderen Froscharten
laut übertönten. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieses Schauspiel auch dieses Jahr wiederholt!

Über fast das ganze Jahr konnte man mit Glück ein Kranichpaar in der Niederung beobachten. Im Spätsommer wurde es von einem Jungvogel begleitet. Die Brut fand sicherlich nicht in der Niederung statt, aber diese ist offensichtlich ein wichtiges Nahrungshabitat für dieses Brutpaar.

Jetzt im Winter sind es vor allem die nordischen Gänse, die uns in großer Zahl besuchen und eigentlich in der Niederung Plätze der Ruhe finden sollten. Grau-, Kanada- und vor allem Bläß- und Saatgänse müssen nun Fettreserven für die Rückzug in die Brutgebiete anfressen. Die Vögel, die im hohen Norden brüten, brauchen diese Fettreserven nicht nur für den energiezehrenden Zug in die Heimat, sondern auch für die Brut, da diese Gebiete gerade im Frühjahr nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung stellen. Jede Störung vermindert ihre Fettreserven und damit die Überlebenschancen dieser Vögel Leider finden sie vor allem an den Wochenenden häufig keine Ruhe, da sie immer wieder von  Hundebesitzern mit ihren freilaufenden Hunden aufgejagt werden, die auf den Wiesen mit ihren Hunden Stöckenapportieren spielen. Hunderte von Gänsen sind schwerlich zu übersehen bzw. zu überhören. Naturverständige Menschen halten Abstand von diesen Trupps und bleiben auf den befestigten Wegen. Außerhalb der Niederung gibt es noch genug Möglichkeiten, Hunde frei laufen zu lassen! Hoffen wir, dass in diesem Jahr eine bessere Beschilderung auf die Notwendigkeit von Ruhe außerhalb der befestigten Wege aufmerksam macht.

Hans-Dieter Lichtner

 

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